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Archäologie
Das kantonale Amt für Archäologie hat sich mit der Archäologie-Strategie 2030 ausgestattet. Diese soll das Wissen über das kantonale Erbe, seine Bewahrung und Inwertsetzung nachhaltig strukturieren. Um den Standort Martinach und die dortigen archäologischen Funde besser zur Geltung zu bringen, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Stiftung gegründet. Diese wird insbesondere die bedeutenden Funde im Zusammenhang mit den Arbeiten im römischen Quartier Insula 14, wo derzeit Ausgrabungen durchgeführt werden, angemessen präsentieren.
«Das archäologische Erbe des Wallis erfassen und bekannt machen» – so lautet die Vision, welche der Archäologie-Strategie 2030 des Kantons Wallis zugrunde liegt. Sie fasst das gesamte archäologische Vorgehen zusammen, von der Entdeckung von Überresten bis zu deren Vermittlung ans Publikum.
Dieser Prozess beginnt bei der Überwachung des Gebiets, insbesondere durch die Vormeinungen zu Bauprojekten in den archäologischen Zonen. Wo dies erforderlich ist, werden Diagnosen erstellt und Ausgrabungen durchgeführt, um die menschliche Besiedelung vor der Umsetzung von Bauarbeiten zu dokumentieren. Die gesammelten Informationen werden anschliessend analysiert, die Objekte untersucht, restauriert und konserviert. Die bedeutendsten Ergebnisse werden in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, insbesondere in der Sammlung Archaeologia Vallesiana der Reihe Cahiers d’Archéologie Romande. Schliesslich werden diese Erkenntnisse aufbereitet und dem breiten Publikum durch geeignete Massnahmen vermittelt.
Die Archäologie-Strategie 2030, die aufgrund von Postulaten der vergangenen Jahre an den Grossen Rat zustande gekommen ist, umfasst fünf grundlegende Aufgabenbereiche: Identifizieren, Schützen, Erhalten, Untersuchen und Aufwerten. Sie gliedert sich in 14 Strategieachsen und zählt 43 konkrete Massnahmen, welche dem Ziel dienen, die Verwaltung und Aufwertung des reichen archäologischen Erbes des Kantons zu stärken.
Eine neue Stiftung zur Inwertsetzung des Standorts Martinach
In diesem Kontext verstärkt der Kanton Wallis sein Engagement für den archäologischen Fundort Martinach (Forum Claudii Vallensium), den ehemaligen römischen Kantonshauptort von anerkannter nationaler Bedeutung, durch die Gründung der Stiftung Pro Octoduro. Diese hat folgende Aufgaben:
- Erforschung und Publikation der über 40-jährigen archäologischen Ausgrabungstätigkeit;
- Konservierung und Restaurierung der Überreste und des Mobiliars;
- Aufwertung des Fundorts sowie touristische Entwicklung.
Bisher gab es in Martinach keine einschlägige Struktur, welche mit jenen in Avenches (VD) oder Augst (BL) vergleichbar ist. Die Stiftung Pro Octoduro schliesst diese Lücke und wird eine bessere Nutzung des wissenschaftlichen und kulturellen Potenzials des Orts ermöglichen. Sie wird gemeinsam vom Kanton Wallis und von der Stadt Martinach finanziert, mit punktueller Unterstützung durch den Bund bei besonderen Projekten. Letztlich wird sie über sieben Mitarbeitende verfügen, hauptsächlich Archäologen und Fachpersonen für Kulturvermittlung.
Im siebenköpfigen Stiftungsrat sind der Kanton und die Gemeinde vertreten. Das Präsidium wird Michaël Hugon, ehemaliger Gemeinderat von Martinach, übernehmen. Eine wissenschaftliche Kommission unter dem Vorsitz der Kantonsarchäologin Caroline Brunetti setzt sich aus Fachleuten von Hochschulen sowie einer Expertin oder einem Experten des Bundesamts für Kultur zusammen.
Die Stiftung Pro Octoduro wird dazu beitragen, das Erbe des Forum Claudii Vallensium hervorzuheben, war der Ort doch ein bedeutendes Zentrum der Romanisierung der Alpen im Einzugsgebiet der historischen Verkehrsachse über den Grossen Sankt Bernhard und Sitz des ersten Bistums des Wallis im 4. Jahrhundert.
Insula 14: herausragende Entdeckungen im römischen Stadtzentrum
Parallel dazu werden derzeit in Martinach im Quartier Insula 14, in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Forum, umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt. Diese Arbeiten, die im Rahmen eines Bauprojekts realisiert werden, veranschaulichen die Bedeutung der Präventivarchäologie: einerseits Überreste dokumentieren, andererseits die Raumentwicklung ermöglichen. Die im Dezember 2025 begonnenen Ausgrabungen erstrecken sich über eine Fläche von rund 1400 Quadratmetern und werden bis Herbst 2026 andauern.
Zu den bemerkenswerten Funden gehört ein rund 50 Quadratmeter grosser Raum mit Marmorfussboden, neben dem sich Räume mit Hypokaustenheizung befanden, was den hohen Komfort und Reichtum in der Antike belegt. Die Gesamtkosten des Unterfangens, einschliesslich der Studien, belaufen sich auf 2,4 Millionen Franken. Aufgrund der nationalen Bedeutung des Fundorts trägt der Bund einen Viertel davon.
Ein Kulturerbe im Zentrum der künftigen Herausforderungen
Mit der Archäologie-Strategie 2030, der Gründung der Stiftung Pro Octoduro und den laufenden Forschungsarbeiten in Martinach möchte das Wallis Raumentwicklung, wissenschaftliche Forschung und Aufwertung des Kulturerbes vereinbaren. Diese Massnahmen tragen zu einem besseren Verständnis der Geschichte des Kantons bei und machen diese der breiten Bevölkerung zugänglich.