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Agenda 2030
Gemäss den neuen Klimaszenarien des Bundes erwärmen sich die Temperaturen in der Schweiz doppelt so schnell wie im weltweiten Durchschnitt, was insbesondere in den alpinen Regionen grosse Auswirkungen hat. Um den Kanton Wallis auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und den Kanton widerstandsfähiger zu machen, verabschiedet der Staatsrat eine kantonale Strategie zum Umgang mit Klimarisiken. Diese baut auf den drei Pfeilern Prävention, Antizipation und Regeneration auf. Im Wesentlichen geht es darum, neue Risiken präventiv anzugehen, indem die Treibhausgasemissionen reduziert werden, bestehende Risiken zu antizipieren und dabei Menschen und Güter zu schützen und Restrisiken durch eine nachhaltige Wiederherstellung der Situation nach Extremereignissen zu bewältigen. Umgesetzt wird die Strategie in mehreren Handlungsbereichen, für welche strategische Ausrichtungen, Zielsetzungen und Beispiele für Massnahmen festgelegt wurden. Es wurden mehrere Analysen realisiert, welche die kantonale Strategie wissenschaftlich stützen, darunter die aktualisierten CO2-Bilanzen fürs Kantonsgebiet und die Verwaltung sowie eine Klimakartografie.
Gemäss den vom Bund 2025 präsentierten Klimaszenarien erwärmen sich die Temperaturen in der Schweiz doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt; eine Tendenz, die auch in Zukunft anhalten wird. Dies hat insbesondere Auswirkungen auf die Alpenregionen. Mit der Erwärmung des Klimas treten Trocken- und Hitzeperioden, Bergstürze, Hochwasser, Überschwemmungen immer häufiger und intensiver auf und es entstehen Krankheiten. Um den Kanton Wallis auf die Bewältigung der Folgen dieser Risiken vorzubereiten, hat der Staatsrat nun eine kantonale Strategie zum Umgang mit Klimarisiken verabschiedet.
Drei Achsen für mehr Resilienz
Die kantonale Strategie baut auf den drei Pfeilern Prävention, Antizipation und Regeneration auf. Konkret geht es um:
- die Prävention neuer Risiken, indem man den Treibhausgas-Ausstoss reduziert und sich so den vom Bund gesteckten Zielen annähert;
- die Antizipation bestehender Risiken, indem man Massnahmen ergreift, um Personen, Güter und Umwelt zu schützen und sich an die klimatischen Veränderungen anzupassen;
- die Bewältigung von Restrisiken, indem man den Schutz von Bevölkerung und Gütern rasch sicherstellt und Dienstleistungen und Infrastrukturen nach Ereignissen so schnell wie möglich und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit wiederherstellt.
Die Strategie des Kantons Wallis konzentriert sich auf acht sektorielle Handlungsbereiche: Raumplanung und Mobilität, Naturgefahren, Wasserbewirtschaftung, menschliche Gesundheit, Ökosysteme, Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung sowie Gebäude. Für jeden dieser Handlungsbereiche wurden Ziele hinsichtlich Prävention, Antizipation und Regeneration sowie Beispiele für Massnahmen formuliert.
Zu den Zielen der Strategie gehören der Ausbau des ÖV-Angebots und der Infrastruktur für den Langsamverkehr, ein verstärktes Monitoring im Bereich Naturgefahren, der regelmässige Austausch von Daten zur Wasserbewirtschaftung zwischen Gemeinden und Kanton, die Verankerung einer Kultur der Nachhaltigkeit in subventionierten Einrichtungen, der Bau von Anlagen, die für mehr Biodiversität und mehr Erfrischung sorgen, ein Coaching für Unternehmen auf ihrem Weg zu Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung, die Anpassung der landwirtschaftlichen Produktion und die Förderung der Wiederverwendung und der Verwendung lokaler Materialien im Bauwesen.
Damit sich diese Ziele erreichen lassen, wurden mehrere Massnahmen identifiziert. Darunter finden sich die Finanzierung von Ladestationen für Elektrobusse, die Konsolidierung des Netzwerks der Naturgefahren-Beobachter, eine optimalere Wasserverteilung zwischen den Nutzern, die Begleitung subventionierter Einrichtungen zur Wahrnehmung ihrer Vorbildfunktion, die finanzielle Unterstützung von Gemeinden bei der Begrünung und Entsiegelung von Böden, die Einführung eines Impuls-Programms zur Dekarbonisierung von KMU in der Industriebranche, die Montage von Schutznetzen für landwirtschaftliche Kulturen oder auch der Bau einer Lagerhalle für die Wiederverwendung von Baustoffen.
Die gemeinsame Grundlage für die sektoriellen Handlungsbereiche bilden die Governance, die stark auf die Vorbildfunktion des Staates setzt, sowie die Begleitung der Akteurinnen und Akteure des Kantons bei der Wende und die Ausbildung und Forschung.
Kantonale Bestandesaufnahme zum Klima
Die kantonale Strategie zum Umgang mit Klimarisiken wurde auf der Grundlage verschiedener nationaler wissenschaftlicher Berichte sowie kantonaler Analysen entwickelt, darunter die CO2-Bilanzen des Kantonsgebiets und der Verwaltung sowie eine kantonale Klimakartografie.
Laut CO2-Bilanz des Kantonsgebiets (Daten fürs Jahr 2023) belaufen sich die gesamten Treibhausgasemissionen (direkte und indirekte Emissionen) auf 14,6 tCO₂eq pro Kopf, was leicht über dem nationalen Durchschnitt von 13 tCO₂eq liegt. Vergleicht man diese Zahlen mit den Daten für 2019, haben sich die Gesamtemissionen des Gebiets um 10% und die direkten Emissionen (die im Wallis selbst verursacht werden) um 15% reduziert. Der Rückgang bei den direkten Emissionen erklärt sich durch die deutliche Senkung der Emissionen aus industriellen Prozessen (Einbau eines Katalysators am Standort Lonza), bei der Wärmeerzeugung (Gebäude) und beim Verkehr. Der Rückgang hängt insbesondere mit der Reduktion des Energieverbrauchs, dem geringeren Einsatz fossiler Brennstoffe und der verstärkten Nutzung erneuerbarer Ressourcen für Neubauten zusammen. Im Gegensatz dazu lässt sich beim Sektor «Landnutzung» (Boden und Wald) zwischen den beiden Bilanzen eine deutliche Negativentwicklung feststellen. Während der Sektor 2019 noch die Bindung von Kohlenstoff ermöglichte, emittierte er 2023 bereits Kohlenstoff. Diese Trendwende erklärt sich einerseits durch Änderungen in der Methodik, andererseits aber auch durch den Klimastress (Dürren, Stürme, Schädlingsbefall), unter dem die Wälder leiden und der zu einem verlangsamten Wachstum und einem erhöhten Waldsterben führt.
Was die Kantonsverwaltung angeht, belaufen sich die Gesamtemissionen aller Dienststellen (Administration, Schulen, Justizbehörden und Parlament) im Jahr 2024 auf 96'000 tCO₂eq. Diese Daten lassen sich nur schwer mit der vorherigen Bilanz vergleichen, da sie neue Kategorien umfassen und der Bilanzumfang erweitert wurde. Das Heizen von Gebäuden und die Tiefbauarbeiten für die Strasseninfrastruktur sind die grössten Emissionsverursacher. Angesichts der geplanten energetischen Sanierungsprojekte und der nach Naturereignissen erforderlichen Instandsetzungsarbeiten könnten diese Posten in den kommenden Jahren hoch bleiben, was die Bedeutung der Verwendung von kohlenstoffarmen Materialien und Verfahren bei Bauprojekten unterstreicht.
Ergänzend zu diesen Bilanzen wurde fürs Wallis erstmals eine Klimakartografie erstellt. Diese zeigt, welche Zonen besonders stark von Hitzeinseln und Hitzestress betroffen sind. Gemäss Szenarien könnte die gefühlte Temperatur in gewissen urbanen Gebieten in der Talebene (um 14.00 Uhr, an Tagen ohne Wind und Wolken) ohne Klimaschutzmassnahmen bis in zehn Jahren Spitzenwerte von 43-45°C und bis 2060 sogar über 45°C erreichen, was für die Menschen zu einem extremen Hitzestress führt.
Finanzierung und Umsetzung
Die Ergebnisse der CO2-Bilanzen zeigen, dass die Emissionen im Kanton Wallis zwar zurückgehen, aber weiterhin hoch sind. Um die vom Bund gesteckten Klimaziele zu erreichen, ist aber eine deutliche Reduktion der Emissionen nötig.
Mit der Verabschiedung der neuen Strategie zum Umgang mit Klimarisiken kommt der Staat Wallis seine Verantwortung nach und präsentiert einen Rahmen und einen ersten Aktionsplan, um zur Erreichung der Ziele des Bundes beizutragen und die Widerstandsfähigkeit des Kantons gegenüber dem Klimawandel zu stärken. Zur Finanzierung der in der Strategie für die Prävention und Antizipation vorgesehenen Massnahmen will der Staat 2027 einen Betrag in Höhe von 0,5% des staatlichen Gesamtbudgets bereitstellen. Diese Summe versteht sich zusätzlich zu den Ausgaben, die der Kanton bereits heute jedes Jahr für seine Klimaaktion aufwendet und die auf rund 250 Millionen Franken geschätzt werden. In einer späteren Phase könnten Massnahmen über einen spezifischen Mechanismus finanziert werden, der dem Parlament noch vorgelegt werden muss. Eine Arbeitsgruppe wird sich mit der Ausarbeitung eines Katastrophenschutzgesetzes befassen, das an die Arbeiten zum Dekret von Blatten anknüpft.
Die Trümpfe des Kantons bei der Klimawende
Der Kanton Wallis hat verschiedene Stärken, die ihm bei der Umsetzung der Strategie zugute kommen. Neben einem dynamischen Cluster aus Bildung, Forschung und Innovation verfügt das Wallis auch über ein riesiges Potenzial im Bereich der Sonnenenergie und der Wasserkraft, das es ihm erlaubt, seine Abhängigkeit von emissionsreichen, fossilen Brennstoffen zu verringern. Für den Kanton ebenfalls von Vorteil für die Anpassung an den Klimawandel sind die jahrhundertealte Kultur der Verwaltung von Gemeingütern wie Suonen und Wäldern, die aussergewöhnliche Biodiversität sowie die grosse Expertise und Erfahrung in der Bewältigung von Krisen und im Naturgefahrenmanagement. Will man die angestrebten Ziele erreichen, ist aber das Engagement jedes und jeder Einzelnen unentbehrlich.
Mehr Informationen: vs.ch/agenda2030